KS Stal Gorzów

Es handelt sich um die Beobachtung des Gruppenverhaltens und der Organisation sowie Organisationsstruktur der Gruppe „Young Gang“ des KS Stal Gorzów beim Speedwayrennen der polnischen Extraliga gegen Włókniarz Częstochowa am 10.04.2011, um 19 Uhr im Edward Jancarz Stadium, Gorzów.  Die Beobachtungszeit beträgt zwei Stunden und 45 Minuten.

Die ersten Mitglieder der  „Young Gang“ des KS Stal Gorzów kommen in den Block und positionieren sich direkt vorne am Zaun, Rennbeginn ist in ca. 40 Minuten. Einige von ihnen holen Fahnen und Banner aus ihren Rucksäcken und hänge diese direkt am Zaun an. Weitere Gruppen von den sogenannten „Young Gang“ folgen, positionieren sich jedoch nicht direkt bei den zuerst beschriebenen Anhängern. Sie stellen sich in die obere rechte Ecke, ohne Fahnen oder Banner. Jedoch gehen sie zu den jungen Männern mit den Fahnen und Banner, schütteln Hände und unterhalten sich kurz. Andere junge Männer folgen und füllen den Block allmählich. Diese gehen auf keine der anderen vorher beschriebenen Gruppenmitglieder zu. Des Weiteren folgen einzelne Personen in den Block, die sich jeweils zwischen die bereits anderen Anhänger stellen oder zu den jeweils bereits positionierten Gruppen stellen. Bei den beschriebenen Personen und Gruppen ist erkennbar, dass sie beim Betreten des Blocks, den Schlachtruf „Gorzów Stal, Gorzów Stal“, „Tylko Gorzów, Stal KS“ rufen und sich dann erst weiter im Block fortbewegen. Dieser Schlachtruf agiert als ein Verbindungsstück und Mittel im sozialen Verkehr, um die Anwesenheit und Verbundenheit zwischen den einzelnen „Young Gang“ darzustellen und ist ein Ablauf der regelmäßig wiederholt wird. Innerhalb der Gruppe ist eine Hierarchiestruktur erkennbar, indem die Gruppe, die ganz unten am Zaun steht, gegenüber allen anderen einen höheren Stellenwert einnimmt. Die Begrüßungen erfolgen durch alle anderen folgenden Anhänger als Routineablauf. Außerdem erscheinen sie bei den weiteren Beobachtungen durch ihr Verhalten, wie Zaun klettern und Stinkefinger aggressiver  als die Anderen. Des Weiteren ist auffällig, dass keine Frau innerhalb des Blocks zu erkennen ist und dies wiederum auf die Hierarchie, für die geschichtliche Entwicklung des Hooliganismus als Subkultur und Männerdomäne steht sowie Frauen innerhalb dieses Phänomens nur selten geduldet werden.

Der gesamte Block ist ca. 20 Minuten vor dem ersten Rennen komplett gefüllt. Die Schlachtrufe beziehen sich immer mehr auf das gegnerische Team, den  Włókniarz Częstochowa und seine Anhänger. Weiterhin besingen die „Young Gang“ ihr Team, als das Beste, der Verein soll ewig bestehen und in weiteren Liedern werden die bereits verbuchten Erfolge besungen. Das wiederholte Lieder singen, Rufen von Schlachtsprüchen und die Klatschbewegungen machen die besondere Positionierung und Sonderstellung in der sich die „Young Gang“ innerhalb der Fangemeinde befinden, klar. Sie sehen sich als der starke Kern und wahre Unterstützer des KS Stal Gorzów. „Wir sind der Verein“, „Stal Gorzów – Waren Meister, sind und bleiben Meister“, „Kein Falubaz“ oder „Stal Gorzów“ mit Klatschrhythmen, kennzeichnen den Block und unterscheiden ihn gleichzeitig von den anderen Fanblocks. Speziell bei der Gestaltung durch die Banner und den Kleidungsstil sind die „Young Gang“ von den anderen Fans zu unterscheiden. Zum Einen ist ihr Kleidungsstil ein Mittel im sozialen Verkehr untereinander und zum Anderen ein Abgrenzungsmittel gegenüber den anderen  Fans und Fanblöcken des KS Stal Gorzów. Außerdem ist es ein Mittel zur Organisation der gesamten Gruppe und ihre gesamte Kleidung agiert als Wiedererkennungszeichen und Mittel zur Gruppenzugehörigkeit. Schwarze Jacken und Hosen, blaue-gelbe Kapuzenpullover von KS Stal Gorzów, dazu Sonnenbrillen, Mützen und Caps sowie Schals, blaue Tücher für den Mundbereich und zur Vermummung sind im gesamten Block zu sehen. Außerdem sind viele junge Männer mit gelben T-Shirts zusehen.

Das Rennen beginnt in wenigen Minuten und die KS Stal Gorzów Hymne ertönt. Alle „Young Gang“ stehen auf, rufen lautstark mit und heben ihre Schals in Richtung Stadiondach. Die Fahrer des Teams werden mit einem Autotrack ins Stadion gefahren. Der gesamte Block fängt an zu beben, Fahnen und Schals werden zur Begrüßung geschwenkt, absolute Freude ist zu spüren während sich der Autotrack in Richtung Ziel- und Startlinie fortbewegt. Begrüßungsabläufe sind im Gästeblock des Włókniarz Częstochowa genauso zu sehen, jedoch übertönen die „Young Gang“ jegliche Lieder beziehungsweise Rufe. Ein auslösendes Ereignis für Pfiffe und aggressives Verhalten der „Young Gang“  sind die Schlachtrufe der gegnerischen Fans. Ausdruck der Aggressionen sind Stinkefinger und das Besteigen des Zaunes. Am unteren Ende ist ein junger Mann mit Megaphone zu sehen, er heizt die Menge an, beginnt Lieder sowie Schlachtrufe anzustimmen und koordiniert dadurch den gesamten Block. Ob dieser Mann gleichzeitig als Chef der gesamten Gruppe agiert, wird während des Spiels nicht erkennbar. Zum Einen kann diese Aufgabe auf eine hohe Position weisen, allerdings sind dies reine Spekulationen und weitere Indizien für eine Chefposition innerhalb der Hierarchie fehlen. Bevor der erste Lauf des Rennens startet, wird dem Gründer des Vereins aus dem Jahr 1947 gedacht und gedankt. Der erste von fünfzehn Läufen des Rennens beginnt. Jeweils zwei Fahrer aus jedem Team treten in einem Lauf mit vier Runden an. Der erste Fahrer des Teams KS Stal Gorzów rollt auf die Bahn und Klatschen sowie Anfeuern ertönt aus dem Block der „Young Gang“. Auslösende Ereignisse für aggressives Vorgehen beziehungsweise Buh-Rufe sind anscheinende Fahrfehler und Angriffsmanöver der gegnerischen Fahrer beziehungsweise ein falscher Ausschluss eines Fahrers nach einem Unfall, durch den Schiedsrichter. Hinzukommen  Provokationen des Fanblocks des Włókniarz Częstochowa Block und mögliche nicht eingefahrene Siege durch die eigenen Fahrer des Teams. Nach dem 7. Lauf führt KS Stal Gorzów nach einem 5 zu 1 Punktesieg mit 27 zu 15 Punkten. Der junge Mann mit dem Megaphone fordert die Menge auf weiter durchzuhalten, das Team weiter anzuheizen und gegen den Fanblock Włókniarz Częstochowa lautstark zu agieren. Ein großer Vorsprung ist bereits erfahren worden, jedoch müssen noch weitere Punktesiege folgen, um einen klaren Sieg zu erreichen. Im 9. Lauf schaffen es die gegnerischen Fahrer einen 5 zu 1 Punktesieg zu erfahren. Der gesamte Fanblock von KS Stal Gorzów bebt und Schreie sowie in die Luft gereckte Fäuste sind zu sehen. Eine Kampansage ist zuhören und wiederum wird klar gemacht, dass es nur einen wahren Sieger und Verein gibt. Im 10. Lauf erfolgt der Konter durch die Fahrer des KS Stal Gorzów. Nach dem Punktesieg umfassen sich alle „Young Gang“ bei den Schultern und beginnen zu Hüpfen. Der gesamte Block schwingt und dabei wird wiederum „Stal Gorzów forever“ gesungen. Immer wieder spornt der Block durch Rufe, wie „Unsere Liebe Stal Gorzów“ und „Avé Stalica“, sein Team zu weiteren Laufsiegen und Erfolgen an. Jedoch geschieht dies in den gesamten restlichen 5 Läufen nicht. Während  der Pause durch die Bahnerneuerung versuchen Włókniarz Częstochowa Fans Pyrotechnik zu zünden und gegen die „Young Gang“ zu wettern und ein Banner mit einem aufgezeichneten Stal Gorzów Fan wird durch den gesamten Block zerrissen. Somit endet das Rennen mit 48 zu 42 Punkten für KS Stal Gorzów. Als Abschied und Ausdruck der Freude über den Sieg folgen die Ausrufe „Ahu, Ahu“ und dazu im Rhythmus klatschende Hände des gesamten Blocks sowie Ausrufe „Stal Gorzów“ und rhythmisches Klatschen. Die Fahrer von KS Stal Gorzów stimmen vor dem Block mit ein und bedanken sich dadurch für die Unterstützung.

Sichtbares Ziel der gesamten Gruppe „Young Gang“ ist das Anfeuern der Mannschaft durch verschiedene Banner, Schlachtrufe und Klatschrhythmen. Hinzukommt die Machtdarstellung und geschlossene Gruppenformation durch die gleiche Kleidung, Stimmkraft und Handlungsabläufe währende des Spiels. Des Weiteren stehen Provokation und der Schlagabtausch mit den gegnerischen Fans sowie Offiziellen von KS Stal Gorzów im Vordergrund.